Schule verändert sich – und mit ihr die Räume, in denen Lernen stattfindet. Als 2024 neu gegründete Schule haben wir die besondere Chance, unser pädagogisches Konzept und die räumliche Gestaltung unserer Schule von Beginn an zusammenzudenken.
Gemeinsam mit Architektinnen und Architekten entwickeln wir deshalb Lernräume, die sich an der Frage orientieren, wie Kinder und Jugendliche heute und in Zukunft erfolgreich lernen können. Unsere Lernlandschaften sind dabei kein architektonisches Zusatzangebot, sondern ein wesentlicher Bestandteil unseres pädagogischen Konzepts.
In den Jahrgängen 5 bis 8 bildet jeder Jahrgang ein eigenes Jahrgangscluster. Die Klassen eines Jahrgangs liegen räumlich nah beieinander. Neben den Klassenräumen gehören jeweils zwei großzügige offene Lernlandschaften zum Jahrgang.
Unterschiedliche Lernzonen schaffen dabei unterschiedliche Möglichkeiten: In Fokuszonen können Schülerinnen und Schüler konzentriert und ruhig arbeiten. Kooperationszonen ermöglichen Austausch, gemeinsames Problemlösen und das Arbeiten in kleinen Gruppen. Weitere Bereiche bieten Raum für Lesen, Beratung, Präsentation und Begegnung.
Der Grundgedanke ist einfach: Nicht jede Aufgabe braucht denselben Arbeitsplatz – und nicht jedes Kind benötigt in jeder Lernphase dieselbe Umgebung.
Räume für anspruchsvolles und zeitgemäßes Lernen
Unsere Lernlandschaften ermöglichen es, unterschiedliche Formen des Lernens selbstverständlich miteinander zu verbinden: fachliche Inputs, konzentrierte Einzelarbeit, kooperative Aufgaben, Projekte, individuelle Förderung und Beratung.
So können Schülerinnen und Schüler an unterschiedlichen Fragestellungen, auf unterschiedlichen Niveaus und in unterschiedlichen Sozialformen arbeiten. Die Lernlandschaften schaffen Raum dafür, Themen zu vertiefen, eigenen Fragestellungen nachzugehen und zunehmend selbstständig anspruchsvolle Lernwege zu gestalten.
Gleichzeitig können Lehrkräfte Lernprozesse gezielt begleiten, beobachten und unterstützen. So entsteht Unterricht, der verbindliche fachliche Anforderungen mit unterschiedlichen Lernwegen und individuellen Entwicklungsmöglichkeiten verbindet.
Auch Universitäten und moderne Arbeitswelten organisieren Lernen und Arbeiten heute zunehmend in unterschiedlichen räumlichen Settings. Orte für konzentriertes Arbeiten stehen neben Bereichen für Kooperation, Kommunikation und kreatives Arbeiten. Diesen Gedanken greifen wir auf. Unsere Schülerinnen und Schüler lernen früh, den passenden Arbeitsplatz für eine Aufgabe auszuwählen, ihre Arbeitsprozesse zu strukturieren und Verantwortung für das eigene Lernen zu übernehmen.
Damit fördern wir Kompetenzen, die weit über einzelne Unterrichtsfächer hinausreichen: Selbstständigkeit, Konzentrationsfähigkeit, Kooperation, Kommunikationsfähigkeit, Kreativität und die Fähigkeit, das eigene Lernen zu reflektieren und zu steuern.
Freiheit braucht Struktur
Diese Selbstständigkeit entsteht nicht von allein. Gerade in den ersten Jahren begleiten wir unsere Schülerinnen und Schüler deshalb sehr bewusst. In den Jahrgängen 5 bis 8 lernen sie Schritt für Schritt, Arbeitsplätze sinnvoll auszuwählen, Arbeitsphasen zu planen, Absprachen einzuhalten und Verantwortung für ihre Lernprozesse zu übernehmen.
Offenes Lernen bedeutet bei uns nicht weniger Struktur – sondern eine andere Form von Struktur. Klare Regeln, gemeinsame Routinen, anspruchsvolle Aufgabenstellungen und eine verlässliche Begleitung durch die Lehrkräfte geben Orientierung und Sicherheit. Mit wachsender Erfahrung wächst auch der Freiraum.
Dieses Prinzip setzt sich in den Jahrgängen 9 und 10 konsequent fort. Die Klassen bleiben als pädagogische und soziale Bezugsgruppen bestehen. Gleichzeitig treten klassische Klassenräume stärker in den Hintergrund und größere gemeinsame Lernlandschaften gewinnen an Bedeutung. Was in Jahrgang 5 angelegt wird, entwickelt sich so Schritt für Schritt weiter: von angeleitetem Lernen hin zu zunehmend selbstständigem, anspruchsvollem und eigenverantwortlichem Arbeiten.
Unser Ziel ist eine Schule, in der Räume das Lernen unterstützen und dazu beitragen, Neugier, Leistung, Selbstständigkeit und gemeinsames Lernen zu fördern. Sie schaffen Möglichkeiten für Konzentration und Zusammenarbeit, für fachliche Tiefe und Gemeinschaft. So entsteht eine Lernumgebung, die mit unseren Schülerinnen und Schülern wächst und ihnen ermöglicht, ihr Potenzial voll auszuschöpfen.